Schritt-für-Schritt-Anleitung für Immich auf Ubuntu mit Docker Compose, eigener Domain, erstem Login und wichtigen Tipps zu Speicher und Backups.
Anleitung personalisieren
Trage Domain, Server-IP und Speicherpfad ein, damit die Beispiele direkt zu deinem Setup passen.
Immich ist eine moderne, selbst gehostete Lösung für Fotos und Videos. Viele nutzen sie als Open-Source-Alternative zu Google Photos, um die eigene Mediathek selbst zu verwalten, automatisch vom Smartphone zu sichern und lokal unter Kontrolle zu behalten.
In dieser Anleitung installieren wir Immich auf einem Ubuntu Server mit der offiziell empfohlenen Docker-Compose-Methode. Zusätzlich schauen wir uns sinnvolle Pfade, den ersten Zugriff, einen Reverse Proxy mit eigener Domain und wichtige Hinweise für Updates und Speicher an.
1. Voraussetzungen
- Ubuntu Server 22.04 oder neuer
- Root- oder Sudo-Zugriff
- Docker Engine aus dem offiziellen Docker-Repository
- Docker Compose Plugin
- Ausreichend Speicherplatz für Fotos, Videos und Vorschaudaten
- Optional eine Domain wie
photos.example.comfür den Zugriff per HTTPS
Wenn Docker auf deinem Server noch fehlt, installiere ihn zuerst sauber aus dem offiziellen Repository. Gerade bei Immich ist das wichtig, da Ubuntu-Pakete wie docker.io bei neueren Compose-Dateien Probleme machen können.
2. Arbeitsverzeichnis anlegen
Erstelle ein eigenes Verzeichnis für Immich und wechsle hinein:
mkdir -p ~/immich-app cd ~/immich-app
Damit liegen Compose-Datei und Umgebungsvariablen sauber an einem Ort.
3. Offizielle Dateien herunterladen
Lade nun die offiziell empfohlene docker-compose.yml und die Beispiel-Umgebungsdatei herunter:
wget -O docker-compose.yml https://github.com/immich-app/immich/releases/latest/download/docker-compose.yml wget -O .env https://github.com/immich-app/immich/releases/latest/download/example.env
Kontrolliere danach kurz den Ordnerinhalt:
ls -lh
4. Speicherorte sinnvoll wählen
Öffne nun die .env-Datei:
nano .env
Wichtige Werte darin sind unter anderem:
UPLOAD_LOCATION=/srv/immich/library DB_DATA_LOCATION=./postgres # TZ=Etc/UTC IMMICH_VERSION=v2 DB_PASSWORD=postgres
Für einen produktiven Betrieb solltest du mindestens diese Punkte anpassen:
- UPLOAD_LOCATION auf einen Pfad mit genügend freiem Speicher setzen, z. B.
/srv/immich/library - DB_PASSWORD auf ein eigenes Passwort ändern, am besten nur mit
A-Za-z0-9 - TZ aktivieren und auf deine Zeitzone setzen, z. B.
Europe/Zurich
Wichtig: Das Datenbankverzeichnis sollte nicht auf einer Netzwerkfreigabe liegen. Für die eigentliche Mediathek brauchst du außerdem genug Platz, gerade wenn mehrere Geräte automatisch hochladen.
Falls der Zielpfad für Uploads noch nicht existiert, lege ihn an:
sudo mkdir -p /srv/immich/library sudo chown -R $USER:$USER /srv/immich/library
5. Container starten
Starte den Stack nun im Hintergrund:
docker compose up -d
Prüfe danach den Status:
docker compose ps
Wenn etwas nicht sauber startet, siehst du in den Logs meist sofort, woran es liegt:
docker compose logs -f
Beim ersten Start kann es etwas dauern, bis Datenbank, Machine-Learning-Komponenten und Weboberfläche vollständig bereit sind.
6. Erster Zugriff
Standardmäßig erreichst du Immich direkt über Port 2283:
http://10.0.0.5:2283
Öffne die Seite im Browser und lege dein erstes Admin-Konto an. Danach kannst du:
- Benutzer einladen
- die mobile App verbinden
- erste Uploads testen
- Einstellungen für Backups, Alben und Sharing durchgehen
7. Immich hinter einem Reverse Proxy betreiben
Für einen produktiven Betrieb ist eine Domain mit HTTPS sehr zu empfehlen. Mit Caddy könnte eine einfache Konfiguration so aussehen:
photos.example.com {
reverse_proxy localhost:2283
}
Danach erreichst du Immich sauber über:
https://photos.example.com
Das hat mehrere Vorteile:
- keine Browser-Warnungen wegen fehlendem TLS
- einfacherer Zugriff von App und Weboberfläche
- saubere Integration in dein bestehendes Hosting-Setup
8. Wichtige Praxis-Tipps nach der Installation
- Teste zuerst mit einem kleinen Benutzer und wenigen Bildern
- Plane den Speicherbedarf realistisch, besonders bei Videos
- Aktiviere automatische Backups der Mediathek und der Datenbank
- Prüfe nach Updates kurz Upload, Login und Timeline
- Nutze nach Möglichkeit eine eigene Domain statt IP und Port
Immich ist leistungsfähig, aber auch speicherintensiver als kleinere Webdienste. Gerade bei großen Bibliotheken lohnt sich saubere Planung von CPU, RAM und Storage.
9. Updates einspielen
Für Updates gehst du in der Regel so vor:
cd ~/immich-app wget -O docker-compose.yml https://github.com/immich-app/immich/releases/latest/download/docker-compose.yml wget -O .env https://github.com/immich-app/immich/releases/latest/download/example.env docker compose pull docker compose up -d
Achtung: Überschreibe die .env nicht blind, wenn du dort eigene Pfade oder Passwörter gesetzt hast. Vergleiche Änderungen lieber zuerst oder sichere die Datei vorher weg.
Prüfe danach wieder kurz den Status:
docker compose ps docker compose logs --tail=50
10. Backups nicht vergessen
Für ein sauberes Backup-Konzept solltest du mindestens diese zwei Bereiche sichern:
- den Upload-Pfad mit deiner Mediathek, z. B.
/srv/immich/library - die PostgreSQL-Daten bzw. das Datenbankverzeichnis
Nur Bilder ohne Datenbank oder nur Datenbank ohne Bilder reichen im Ernstfall nicht. Plane deshalb beides in deine Datensicherung ein.
11. Fazit
Mit Immich bekommst du eine sehr starke, moderne Self-Hosted-Lösung für Fotos und Videos. Die offizielle Docker-Compose-Installation auf Ubuntu ist übersichtlich, gut dokumentiert und für einen produktiven Einstieg absolut geeignet.
Wenn du deine Medien nicht mehr bei einem großen Cloud-Anbieter liegen haben möchtest, ist Immich eine der spannendsten Lösungen überhaupt – vorausgesetzt, du planst Speicher und Backups von Anfang an sauber mit ein.
Tipp:
Kombiniere Immich mit einem Reverse Proxy, regelmäßigen Backups und ausreichend lokalem Speicher. Dann hast du langfristig deutlich mehr Kontrolle über deine eigene Fotobibliothek.